Dr. Ute Verstegen
FAU Erlangen-Nürnberg
Lehrstuhl für
Christliche Archäologie
und Kunstgeschichte
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Sprechstunde:
mittwochs, 14-15 h
León, 8.9.2006
Das rechtsrheinische Brückenkopfkastell Köln-Deutz (Divitia) (mit Norbert Hanel)
Grundlage des Vortrages ist die Untersuchung sämtlicher gestempelter Ziegel, die bis zum Jahr 2001 im Gebiet des spätrömischen Kastells Köln-Deutz (Divitia) gefunden wurden. Verschiedene Quellen wie eine Lobrede des Eumenius, eine heute verschollene Bauinschrift sowie Münzfunde belegen, daß diese Militäranlage auf Geheiß Constantins I. in den Jahren um 310/315 als Brückenkopf der Colonia Agrippina auf der rechten Rheinseite gegen die Franken errichtet wurde.
Insgesamt konnten 76 gestempelte Ziegel aus dem Deutzer Kastell nachgewiesen werden, von denen heute noch 30 Exemplare erhalten sind und 6 weitere aufgrund der überlieferten Dokumentation (Papierabklatsche, Skizzen) genauer beurteilt werden können. Sofern die Fundumstände der einzelnen Ziegel bekannt sind, waren sie ausschließlich in den Kurtinen und den Wehrtürmen des Militärlagers verbaut. Die Analyse der Stempelformulare hat ergeben, daß die Deutzer Baukeramik aus unterschiedlichen Ziegeleibetrieben stammt: 1.) aus militärischen figlinae und 2.) aus staatlichen Großbetrieben. Während die militärischen Ziegel ausschließlich von der in Mainz stationierten 22. Legion bereitgestellt wurden, waren daneben die bislang unentdeckten Ziegeleien, die bei der Errichtung der Großbauten in der Kaiserresidenz Colonia Treveris mitwirkten (Capio-, Capionaci-, Adiutrix-Gruppen etc.), zu Materiallieferungen verpflichtet. Wichtig ist der Befund, daß kein Ziegelmaterial der Germania Secunda aus der Bauzeit des Deutzer Kastells verwendet wurde; dies weist auf Probleme bei der Ziegelversorgung größeren Umfangs im Gebiet sowohl der Provinzhauptstadt als auch der Germania Secunda hin. Vielmehr mußte das Ziegelmaterial aus den beiden benachbarten Provinzen (Germania Prima, Belgica Secunda) nach Divitia transportiert werden. Neben der zeitgleich hergestellten Baukeramik zeigt sich im Deutzer Befund, daß auch auf Altmaterial zurückgegriffen wurde: Im Fall der Germania Prima handelt es sich um gestempelte Stücke der legio VIII Augusta, der legio XXI und der cohors I Flavia Damascenorum milliaria equitata sagittaria; währenddessen gehört das Altmaterial aus der Germania Secunda zur legio I Minervia und vielleicht zur legio XXX Ulpia Victrix; ferner sind vereinzelt gestempelte Ziegel des exercitus Germaniae inferioris und der vexillatio legionis tricesimanorum bezeugt. Was die Datierung anbelangt, können die gestempelten Ziegel der legio XXII ohne den bzw. mit dem Zusatz C V (wohl Constantiniana victrix) vermutlich vor bzw. nach der Schlacht an der Milvischen Brücke am 28. Oktober 312 hergestellt worden sein. Anhaltspunkte für spätere Umbauarbeiten mit jüngerem Ziegelmaterial liegen nicht vor. Insgesamt werfen die gestempelten Ziegel aus Divitia ein historisch wichtiges Schlaglicht auf die kaiserliche Bauorganisation und Baupolitik am Beginn der konstantinischen Epoche.